Leitfaden Foto-Verifikation

von Oliver Klein

1. Rückwärtssuche

Woher stammt ein Foto oder ein Video, das einen angeblichen Skandal oder eine unglaubliche Geschichte beweisen soll? Wie lange steht es schon im Netz? Oft lässt sich mit einer einfachen Bilder-Rückwärtssuche bereits beweisen, dass ein Foto in einem anderen Zusammenhang als dem behaupteten steht oder älter ist als angegeben. Erste Anlaufstelle: Die Bilder-Suche von Google. Klickt man auf das Kamera-Symbol im Suchfenster, lässt sich ein beliebiges Foto hochladen oder die URL eines Fotos eingeben. Google errechnet einen digitalen Fingerabdruck des Bildes und gleicht ihn mit Millionen anderer bereits bekannter Bilder ab – in den Suchergebnissen erscheinen Seiten, die das Bild ebenfalls enthalten. Mit einer Zeiteinschränkung lässt sich der Zeitpunkt eingrenzen, wann ein Foto zum ersten mal im Internet aufgetaucht ist.

Keine Ergebnisse?

Dann einfach Alternativen durchprobieren, beispielsweise die Suchmaschine Tineye oder die Bildersuche von Yandex, die für nicht-englischsprachige Webseiten sogar deutlich besser funktioniert. Für Bilder auf Reddit eignet sich eine Suche mit karmadecay.

Immer noch keine Ergebnisse?

Versuchen Sie, das Foto horizontal zu spiegeln – hierbei hilft die Seite flipapicture. Manche Faker versuchen, ein Foto so zu verändern, dass es sich nicht leicht mit einer Rückwärtssuche finden lässt, indem sie das Bild spiegeln, den Ausschnitt variieren oder die Farben verändern.

Was denn… Immer noch keine Ergebnisse?!

Regelmäßig hilft das Motto: Denken Sie wie der Faker, um Fakes zu enttarnen! Die meisten Fälscher nehmen das erstbeste Bild aus den Suchergebnissen von Google, das zu ihrer Fake-Geschichte passt. Stellt man sich die Frage „Was hat der Faker gesucht?“ und sucht man selbst wie ein Foto-Fälscher, findet man oft die Zutaten für das gefälschte Bild. Besonders clevere Fälscher suchen sich Fotos aus Quellen, die nicht von Suchmaschinen indexiert werden. Ein Beispiel hierfür: Das gefälschte DDR-Plakat – angeblich soll die CDU ihren Wahlkampfslogan „Für ein Land in dem wir gut und gerne Leben“ bei der SED geklaut haben.

 

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Der Wahlslogan der CDU „Für ein Land in dem wir gut und gerne leben“ soll angeblich bereits zu DDR-Zeiten von der SED verwendet worden sein

Ergenisse Flickr

Eine Suche nach „DDR Propaganda“ in der Fotocommunity Flickr fördert das Original-Foto zu Tage, in Farbe und mit einem völlig anderen Slogan

original_ddr_flickr

Übrigens: Grundsätzlich funktioniert eine Rückwärtssuche auch bei Videos, allerdings braucht man dafür Screenshots. Der Youtube-Dataviewer von Amnesty International lässt eine solche Rückwärtssuche automatisiert für Youtube-Videos zu: Einfach eine Video-Adresse eingeben und die Vorschaubilder sind mit der Google-Bilderrückwärtssuche verknüpft.

2. Metadaten

Viele Bilder verraten mehr als wir auf den ersten Blick erkennen – wer hat wann ein Foto wo gemacht, mit welcher Kamera, wurde das Bild nachträglich bearbeitet? Solche Informationen verraten die sogenannten Exif-Daten  („Exchangeable Image File Format“), die sich mit Tools wie „Jeffrey’s Exif Viewer“ anzeigen lassen. Achtung: Nicht alle Fotos enthalten Exif-Daten, insbesondere Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter und auch viele Newsportale löschen solche Informationen standardmäßig bei der Veröffentlichung. Außerdem: Mithilfe bestimmter Tools lassen sich Metadaten manipulieren, am einfachsten geht das bei Windows (Klick mit der rechten Maustaste auf „Eigenschaften“, dann auf „Details“, hier lässt sich das Aufnahmedatum nachträglich leicht verändern).

3. Plausibilität prüfen

Kann ein Foto oder ein Video zum angegebenen Zeitpunkt am angegebenen Ort gemacht worden sein? Mit solchen Fragen beschäftigen sich vor allem Journalisten, die Bildmaterial von unbekannten Quellen, oft aus Sozialen Netzwerken auswerten müssen, insbesondere aus Krisengebieten. Um den Ort eines Fotos oder Videos zu verifizieren, ist es bei Außenaufnahmen regelmäßig möglich, via Google Earth bzw. Google Maps Gebäude, Straßen, Landschaftsmerkmale etc. abzugleichen. Dabei hilft die Satelliten-Ansicht, außerdem natürlich die Aufnahmen von Streetview und die Fotos, die man bei Google Maps unter „Bilder anzeigen“ sichtbar machen kann. Zusätzlich lassen sich Vergleichsfotos mit Geodaten bei Picasa, Twitter und Flickr mit der erweiterten Suche finden.

Auch die Frage, ob der Aufnahmezeitpunkt stimmen kann, lässt sich mit ein paar einfachen Tricks überprüfen: Zu den meisten Ereignissen lassen sich in Sozialen Netzwerken mit der entsprechenden Hashtag-Suche und ggf. mit einer Datumseingrenzung (z.B. bei Twitter) weitere Foto- oder Filmaufnahmen finden. Und: Die Suchmaschine Wolfram Alpha stellt historische Wetterdaten zur Verfügung – einfach einen Ort, ein Datum und das Stichwort „Wetter“ eingeben. So lässt sich dann beispielsweise feststellen, dass das Foto mit dem wolkenlosen Himmel nicht zu dem angegebenen Zeitpunkt gemacht worden sein kann – weil es an dem selben Ort den ganzen Tag regnete.

4. Bildmanipulationen enttarnen

Ist das vorliegende Foto das Original? Wurde es verändert, wurden Einzelteile hinzugefügt oder wegretuschiert? Seiten wie fotoforensic oder forensically untersuchen Bildmaterial mittels „Error-Level-Analysis“ (ELA). Bildanteile, die möglicherweise manipuliert wurden, erscheinen heller oder dunkler. Bei forensically gibt es zusätzlich eine Reihe weiterer Analyse-Möglichkeiten, zum Beispiel „Clone-Detection“, mit der geklonte Bereiche in einem Bild sichtbar gemacht werden können.