Online-Recherche

  • Gesichtserkennung – Update vom 17.4.2019

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    Yandex Bildersuche

    Eine der besten Möglichkeiten, mit Gesichtserkennung nach Personen zu suchen ist die Bilder-Rückwärtssuche der russischen Suchmaschine Yandex. Sie liefert gerade bei Personen deutlich bessere Ergebnisse als Google. Häufig sind die ersten Portraits, die bei “similar images” angezeigt werden, die gesuchten Personen.

    Als hilfreich hat sich erwiesen, den Hintergrund auf dem Foto zu löschen. Hierfür eignet sich perfekt das Tool remove.bg, das in der Lage ist, innerhalb weniger Sekunden automatisiert Bildanteile aus dem Hintergrund zu entfernen. Außerdem sollte das Bild auf ein Portrait der gesuchte Person zugeschnitten sein, damit sich die Suche wirklich nur auf die Person beschränkt. Ansonsten zieht Yandex statt biometrischer Daten aus dem Gesicht der Zielperson andere Bildinhalte bei der Rückwärtssuche hinzu – häufig Kleidung, Hintergründe, auffällige Frisueren. So werden auch viele falsche Treffer generiert: Yandex liefert beispielsweise bei einer Person, die am Strand steht, weitere Bilder von Menschen am Stand, bei Personen, die Sonnenbrille tragen, tauchen regelmäßig andere Personen mit Sonnenbrille als Suchergebnisse auf.


    Yandex im Einsatz: Wer ist diese Frau? Wir geben der Suchmaschine ein freigestelltes, zugeschnittenes Portrait…

    Yandex zeigt bei den “similar images” gleich sechs mal die gesuchte Person an…
    …und weiter unten ist der Name zu sehen: Es ist die Berliner Sängerin Cora Lee.

    Google Fotos

    In der US-Version lässt sich “Google Fotos” für zur Gesichtserkennung und Sortierung von Fotos einsetzen: Die App erkennt automatisch Gesichter und sortiert Personen in Ordner ein. Um die US-Version nutzen zu können, reicht es, die App einmal mit einem VPN und einer us-amerikanischen IP zu öffnen und dann die Funktion “ähnliche Gesichter gruppieren” zu aktivieren. Unter “Alben” entsteht dann neben einem Ordnet für “Orte” und “Dinge” ein Ordner mit “Personen und Haustieren”.

    Azure

    Die Facedetection-API aus dem Cloud-Dienst “Azure” von Microsoft vergleicht 2 Fotos von Menschen und sagt mit einer gewissen Genauigkeit, ob es sich um ein und dieselbe Person handelt. Vorsicht: Ich habe in verschiedenen Tests teilweise falsche (und manchmal auch gar keine) Ergebnisse bekommen.

    searchface.ru

    Suchergebnisse bei SearchFace: Links über jeder Zeile mit möglichen Treffern wird eine Wahrscheinlichkeit angegeben, ob es wirklich die gesuchte Person ist.

    FindFace ist seit 2018 tot – es lebe SearchFace! Ebenfalls eine russische Suchmaschine, die via Gesichtserkennung nach Vergleichsbildern im VK-Netzwerk sucht. In ersten Tests von Aric Toler von Bellincat funktioniert die Suchmaschine erstaunlich gut, allerdings anders als früher FindFace: Die Suchmaschine gibt für mögliche Treffer einen Score aus, an dem man sich orientieren kann, wie wahrscheinlich es ist, die richtige Person gefunden zu haben. Klickt man auf einen der Treffer, bekommt man das Foto über die UserAPI in voller Schönheit vom VK-Server angezeigt. Selbst Fotos aus Profilen, die schon gelöscht wurden, tauchen als Treffer auf!

    Bellingcat zufolge scheint die Gesichtserkennung deutlich besser zu funktionieren als vergleichbare Möglichkeiten, z.B. der Suchmaschine Yandex: Während FindFace eher Merkmale von Gesichtern analysiert, zeigt Yandex als Ergebnisse meist auch Menschen mit ähnlichen Frisuren und Kleidung an.

    Das generelle Problem: Die Bilder enthalten in der Regel keinen Hinweis, zu welchem Profil das jeweilige Foto gehört. In seltenen Fällen wird Bellingcat zufolge in der URL eine User-ID angezeigt, die in der Regel nach dem Buchstaben “u” folgt. Wollen Sie das VK-Profil finden, in dem das Foto verwendet wird, können Sie im einfachsten Fall eine Bilderrückwärtssuche mit Yandex ausprobieren.

  • Geolocated search – Update vom 16.3.2019

    Von Oliver Klein

    Die Internetrecherche mit sogenannten “location-based-services”, also standortbezogenen Such-Tools, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Echosec zeigt beispielsweise bei Unglücken blitzschnell Postings in Social Media oder auch Videos auf einer Landkarte an. So kommen Sie schnell auf den aktuellen Stand und können Augenzeugen in einer bestimmten Region suchen.

    Screenshot Echosec mit Landkarte der Frankfurter Innenstadt, auf der Postings verschiedener Sozialer Netzwerke verortet sind

    Echosec im Einsatz: Postings aus Sozialen Netzwerken werden auf einer Landkarte angezeigt, in diesem Fall in der Frankfurter Innenstadt

    Die kostenpflichtige Suchmaschine Echosec zum Beispiel zeigt Postings aus Sozialen Medien auf einer Landkarte an, wenn sie GPS-Koordinaten enthalten oder andere Möglichkeiten der Standortbestimmung herangezogen werden können. Dazu einfach oben links eine Adresse eingeben oder mit einem Geofence einen Bereich auf der Landkarte markieren – die Postings erscheinen automatisch und können einzeln angeklickt werden. Auf der linken Seite bzw. unter der Landkarte erscheint eine eingebettete Vorschau. Die Postings können Sie u.a. nach Stichworten und Datum filtern. Derzeit zeigt Echosec in der Pro-Version Twitter (inkl. getwitterte Periscope-, Facebook- und Instagram-Postings), Flickr, Youtube, Reddit, VK und Wikipedia an. Neu ist die Einbindung der Snap-Map: Auf der Landkarte erscheinen öffentlich sichtbare Snaps als Wolke, die man anklicken kann. Kosten für Echosec: 499,- US-Dollar pro Monat, bei einem Jahresvertrag werden 4188 Dollar fällig.

    Eine kostenlose Geo-Suche nach Snaps ist direkt mit der Snapmap möglich. Die suche nach Postings bei Youtube ist mit dem Geosearchtool möglich und auch bei Twitter können Sie eine Umkreissuche starten:

    Internetrecherche 2.0: Umkreissuche bei Twitter

    In der erweiterten Suche von Twitter können Sie neben verschiedenen anderen Sucheinschränkungen einen Ort und einen Umkreis definieren. So konnte ich zum Beispiel beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit bestimmten Keywords (“ich” “Weihnachtsmark”) und einer Zeiteinschränkung Augenzeugen ausfindig machen:

    Screenshot Twitter mit Ergebnissen der Augenzeugen-Suche nach den Begriffen "ich" und "Weihnachtsmarkt"

    Augenzeugen gebrauchen bei Unglücken, Naturkatastrophen, Anschlägen regelmäßig bestimmte Worte, mit denen sie ihre Situation oder das Erlebte beschreiben, z.B. “ich”, “hier”, “sehe”, “gesehen”, “Explosion”, “Bombe”, “geschossen” etc. 

    Bei Twitter ist auch eine Suche mit Geodaten möglich: Zunächst muss man die Geo-Daten eines bestimmten Ortes ermitteln. Das geht am einfachsten mit Google: Ein Rechtsklick auf einen bestimmten Punkt bei Google Maps (“was ist hier”) zeigt die Koordinaten an. Alternativ kann man z.B. mapcoordinates.net nutzen, mein bisheriger Favorit mygeoposition.com ist inzwischen leider down. Die Koordinaten geben Sie ins Suchfeld bei Twitter ein und zwar nach dem folgenden Muster: geocode:xxx,yyyy,radius in km. Diese Art der Suche eignet sich für kleinere Ortschaften bzw. Gegenden, die nicht bereits bei Twitter in der erweiterten Suche zur Auswahl angeboten werden. Selbst in einem Meer können Sie auf diese Weise Tweets entdecken, die von Schiffen abgesetzt wurden. Ein Beispiel für die Ermittlung von Tweets der Frankfurter Hauptwache in einem Umkreis von 200 Metern: geocode:50.1138080,8.6791840,0.2km. Weitere Tools für geobasierte Suche, Mapping Websites, Satellitenbilder verschiedener Anbieter etc. gibt es hier.

  • Leitfaden für die Verifikation von Fotos und Videos

    von Oliver Klein

    1. Verifikation via Rückwärtssuche

    Woher stammt ein Foto oder ein Video, das einen angeblichen Skandal oder eine unglaubliche Geschichte beweisen soll? Wie lange steht es schon im Netz? Oft lässt sich mit einer einfachen Bilder-Rückwärtssuche bereits beweisen, dass ein Foto in einem anderen Zusammenhang als dem behaupteten steht oder älter ist als angegeben. Bei Google geht’s so: Klickt man auf das Kamera-Symbol im Suchfenster, lässt sich ein beliebiges Foto hochladen oder die URL eines Fotos eingeben. Dann errechnet Google einen digitalen Fingerabdruck des Bildes und gleicht ihn mit Millionen anderer bereits bekannter Bilder ab. In den Suchergebnissen erscheinen Seiten, die das Bild ebenfalls enthalten. Der große Vorteil: Bei Google lassen sich auch bei der Bilder-Rückwärtssuche alle Operatoren und Möglichkeiten der Einschränkungen (z.B. auf eine bestimmte Domain oder Top-Level-Domain) nutzen. So lässt sich mit einer Zeiteinschränkung der Zeitpunkt eingrenzen, wann ein Foto zum ersten mal im Internet aufgetaucht ist. Achtung: Bei der Suche mit Mobilgeräten wird das Kamera-Symbol in der Bildersuche zunächst nicht angezeigt. Hier muss man einen kleinen Umweg gehen: Entweder mit Chrome surfen – tippt man lange auf ein Bild, wird die Möglichkeit eingeblendet, das Bild mit Google rückwärts zu suchen. Oder direkt die Bildersuche bei Google ansteuern und dann in den Einstellungen des Browsers “Desktop Version anzeigen” auswählen. Dann erscheint das Kamera-Symbol auch bei Nutzung mit Handy oder Tablet.

    Keine Ergebnisse?

    Dann einfach Alternativen durchprobieren:

    Yandex – meine erste Anlaufstelle, die bei der Rückwärtssuche von Bildern häufig deutlich bessere Ergebnisse liefert als Google, insbesondere bei nicht-englischsprachigen Websites!

    Bing – allein schon die Rückwärtssuche für Bilder zu finden, ist eine Zumutung: Man muss zuerst auf “Bilder” klicken, dann irgendeine Suche starten, erst dann kommt das altbekannte Kamerasymbol im Suchfeld. Wem’s zu kompliziert ist – hier ist der direkte Link. Die Qualität der Treffer ist… naja. Aber immerhin bietet Bing eine Möglichkeit, die ich bei Google schon lange vermisse: Die Suche mit einem Bildausschnitt. Einfach klicken auf “innerhalb dieses Bilds suchen” bzw. “thematische Suche”, dann lässt sich ein Ausschnitt bestimmen. So kann man bestimmte Gebäude, Personen, Schilder etc. identifizieren, ohne dass man von Hand immer neue Ausschnitte eines Fotos für eine Rückwärtssuche abspeichern muss.

    Foto mit Ausschnitt einer Kirche als Grundlage für eine Suche mit Bing

    Ausschnittsuche mit Bing: Der Ausschnitt findet die berühmte Ramsauer Kirche im Berchtesgadener Land.

    Tineye ist eine der ältesten Rückwärtssuchmaschinen. Meist liefert sie weniger Treffer als Google und zeigt auch keine ähnlichen Bilder an, sondern sucht nur genau das gelieferte Bild; maximal werden andere Ausschnitte als Treffer angezeigt. Die Sortierung nach dem ältesten und neuesten Fund, Bildgröße und “best match” ist allerdings praktisch.

    Logodetection – ein hilfreiches Tool, das Logos in Videos oder Fotos erkennt und zuordnet. Der Detektor sucht nach Logos und gleicht Fundstücke mit einer umfangreichen Datenbank ab. Gibt es einen Treffer, zeigt er weiterführende Informationen über die Firma oder Organisation an und führt auch zur Wikipedia-Seite.

    Immer noch keine Ergebnisse?

    Versuchen Sie, das Foto horizontal zu spiegeln! Hierbei hilft die Seite flipapicture. Manche Faker versuchen nämlich, ein Foto so zu verändern, dass es sich nicht leicht mit einer Rückwärtssuche finden lässt, indem sie das Bild spiegeln, den Ausschnitt verändern oder Farben variieren.

    Was denn… Immer noch keine Ergebnisse?!

    Für die Verifikation von Fotos oder Videos hilft regelmäßig das Motto: Denken Sie wie der Faker, um Fakes zu enttarnen! Denn die meisten Fälscher nehmen das erstbeste Bild aus den Suchergebnissen von Google, das zu ihrer Fake-Geschichte passt. Daher hat sich als eine geeignete Strategie herausgestellt: Stellen Sie sich die Frage “Was hat der Faker gesucht?” Sucht man selbst wie ein Foto-Fälscher, findet man oft die Zutaten für das gefälschte Bild. Besonders clevere Fälscher suchen sich Fotos aus Quellen, die nicht oder nur teilweise von Suchmaschinen indexiert werden. Ein Beispiel hierfür: Das gefälschte DDR-Plakat – angeblich soll die CDU ihren Wahlkampfslogan “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” bei der SED geklaut haben.

    Wahlplakat der CDU mit Portrait von Angela Merkel und Wahlspruch "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben"

    gefälschtes SED-Plakat in schwarz-weiß mit Wahlslogan "Für ein Land in dem wir gut und gerne leben"

    erfolgreiche Verifikation: Screenshot von Flickr mit SED-Plakat von 1981 mit Slogan "Alles zum Wohle des Volkes"

    Verifikation mit der Methode “Denken Sie wie ein Faker” – eine Suche nach “DDR Propaganda” in der Fotocommunity Flickr fördert das Original-Foto des gefälschten Wahlplakats zu Tage, in Farbe und mit einem völlig anderen Slogan

    Übrigens: Grundsätzlich funktioniert eine Rückwärtssuche auch bei Videos, allerdings benötigen Sie dafür Screenshots. Der Youtube-Dataviewer von Amnesty International lässt eine solche Rückwärtssuche automatisiert für Youtube-Videos zu: Einfach eine Video-Adresse eingeben und die Vorschaubilder sind mit der Google-Bilderrückwärtssuche verknüpft.

    2. Verifikation via Metadaten

    Viele Bilder verraten mehr als wir auf den ersten Blick erkennen: Wer hat wann ein Foto wo gemacht, mit welcher Kamera, wurde das Bild nachträglich bearbeitet? Solche Informationen verraten die sogenannten Exif-Daten  („Exchangeable Image File Format“), die sich mit Tools wie „Jeffrey’s Exif Viewer“ anzeigen lassen. Aber Achtung: Nicht alle Fotos enthalten Exif-Daten, insbesondere Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter und auch viele Newsportale löschen solche Informationen standardmäßig bei der Veröffentlichung. Daher ist es hilfreich, das zu prüfende Bild möglichst nah an seinen Ursprung zurückzuverfolgen. Hier hilft die Zeiteinschränkung der Bilderrückwärtssuche von Google. Oft kommen so Versionen des Fotos zu Tage, die noch weitere Metadaten enthalten.

    3. Verifikation via Fotoforensik

    Ist das vorliegende Foto das Original? Haben Faker das Bild verändert, Einzelteile hinzugefügt oder wegretuschiert? Seiten wie fotoforensics oder forensically untersuchen Bildmaterial mittels „Error-Level-Analysis“ (ELA). Bildanteile, die möglicherweise manipuliert wurden, erscheinen heller oder dunkler. Bei forensically gibt es zusätzlich eine Reihe weiterer Analyse-Möglichkeiten, zum Beispiel “Clone-Detection”, mit der Sie geklonte Bereiche in einem Bild sichtbar machen können.

    4. Plausibilität prüfen

    Kann ein Foto oder ein Video zum angegebenen Zeitpunkt am angegebenen Ort gemacht worden sein? Hierzu gibt es einen eigenen Artikel: Geolocating Fotos und Videos.