Online-Recherche

  • Geolocated search

    Von Oliver Klein

    Die Internetrecherche mit sogenannten “location-based-services” (LBS), also standortbezogenen Such-Tools, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Mit Banjo oder Echosec lassen sich z.B. bei Unglücken blitzschnell Postings in Social Media oder auch Videos auf einer Landkarte anzeigen, damit Sie schnell auf den aktuellen Stand kommen oder auch Augenzeugen in einer bestimmten Region suchen können.
    Screenshot Echosec mit Landkarte der Frankfurter Innenstadt, auf der Postings verschiedener Sozialer Netzwerke verortet sind

    Echosec im Einsatz: Postings aus Sozialen Netzwerken werden auf einer Landkarte angezeigt, in diesem Fall in der Frankfurter Innenstadt

    Die Suchmaschine Echosec zum Beispiel zeigt Postings aus Sozialen Medien auf einer Landkarte an, wenn sie GPS-Koordinaten enthalten oder andere Möglichkeiten der Standortbestimmung herangezogen werden können. Dazu einfach oben links eine Adresse eingeben oder mit einem Geofence einen Bereich auf der Landkarte markieren – die Postings erscheinen automatisch und können einzeln angeklickt werden, auf der linken Seite bzw. unter der Landkarte erscheinen eine eingebettete Vorschau. Die Postings lassen sich u.a. nach Stichworten und Datum filtern. Derzeit werden in der Pro-Version Facebook, Twitter (inkl. Periscope, Instagram und Facebook-Postings), Foursquare, Flickr, Youtube, Reddit, VK und Wikipedia angezeigt. Kosten: 349,- US-Dollar pro Monat bei einem Jahresvertrag, bei monatlicher Rechnung sind es 500,- Dollar.

    Eine kostenlose Geo-Suche nach Postings bei Youtube ist mit dem Geosearchtool möglich und auch bei Twitter können Sie eine Umkreissuche starten:

    Internetrecherche 2.0: Umkreissuche bei Twitter

    In der erweiterten Suche von Twitter lässt sich neben verschiedenen anderen Sucheinschränkungen ein Ort und ein Umkreis definieren. So konnten zum Beispiel beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit bestimmten Keywords (“ich” “Weihnachtsmark”) und einer Zeiteinschränkung Augenzeugen ausfindig gemacht werden:

    Screenshot Twitter mit Ergebnissen der Augenzeugen-Suche nach den Begriffen "ich" und "Weihnachtsmarkt"

    Augenzeugen gebrauchen bei Unglücken, Naturkatastrophen, Anschlägen regelmäßig bestimmte Worte, mit denen sie ihre Situation oder das Erlebte beschreiben, z.B. “ich”, “hier”, “sehe”, “gesehen”, “Explosion”, “Bombe”, “geschossen” etc. 

    Bei Twitter ist auch eine Suche mit Geodaten möglich: Zunächst muss man die Geo-Daten eines bestimmten Ortes ermitteln. Das geht am einfachsten mit Google: Ein Rechtsklick auf einen bestimmten Punkt bei Google Maps (“was ist hier”) zeigt die Koordinaten an. Alternativ kann man z.B. mapcoordinates.net nutzen, mein bisheriger Favorit mygeoposition.com ist inzwischen leider down. Die Koordinaten geben Sie ins Suchfeld bei Twitter ein und zwar nach dem folgenden Muster: geocode:xxx,yyyy,radius in km. Diese Art der Suche eignet sich für kleinere Ortschaften bzw. Gegenden, die nicht bereits bei Twitter in der erweiterten Suche zur Auswahl angeboten werden, selbst in einem Meer können auf diese Weise Tweets entdeckt werden, die von Schiffen abgesetzt wurden. Ein Beispiel für die Ermittlung von Tweets der Frankfurter Hauptwache in einem Umkreis von 200 Metern: geocode:50.1138080,8.6791840,0.2km. Weitere Tools für geobasierte Suche, Mapping Websites, Satellitenbilder verschiedener Anbieter etc. gibt es hier.

     

  • Leitfaden für die Verifikation von Fotos und Videos

    von Oliver Klein

    1. Verifikation via Rückwärtssuche

    Woher stammt ein Foto oder ein Video, das einen angeblichen Skandal oder eine unglaubliche Geschichte beweisen soll? Wie lange steht es schon im Netz? Oft lässt sich mit einer einfachen Bilder-Rückwärtssuche bereits beweisen, dass ein Foto in einem anderen Zusammenhang als dem behaupteten steht oder älter ist als angegeben. Deshalb ist für die Verifikation von Fotos die erste und beste Anlaufstelle in der Regel die Bilder-Suche von Google. Klickt man auf das Kamera-Symbol im Suchfenster, lässt sich ein beliebiges Foto hochladen oder die URL eines Fotos eingeben. Dann errechnet Google einen digitalen Fingerabdruck des Bildes und gleicht ihn mit Millionen anderer bereits bekannter Bilder ab. In den Suchergebnissen erscheinen Seiten, die das Bild ebenfalls enthalten. Der große Vorteil: Bei Google lassen sich auch bei der Bilder-Rückwärtssuche alle Operatoren und Möglichkeiten der Einschränkungen (z.B. auf eine bestimmte Domain oder Top-Level-Domain) nutzen. So lässt sich mit einer Zeiteinschränkung der Zeitpunkt eingrenzen, wann ein Foto zum ersten mal im Internet aufgetaucht ist. Achtung: Bei der Suche mit Mobilgeräten wird das Kamera-Symbol in der Bildersuche zunächst nicht angezeigt. Hier muss man einen kleinen Umweg gehen: Entweder mit Chrome surfen – tippt man lange auf ein Bild, wird die Möglichkeit eingeblendet, das Bild mit Google rückwärts zu suchen. Oder direkt die Bildersuche bei Google ansteuern und dann in den Einstellungen des Browsers “Desktop Version anzeigen” auswählen. Dann erscheint das Kamera-Symbol auch bei Nutzung mit Handy oder Tablet.

    Keine Ergebnisse?

    Dann einfach Alternativen durchprobieren:

    Yandex – meine erste Anlaufstelle, die bei der Rückwärtssuche von Bildern häufig deutlich bessere Ergebnisse liefert als Google, insbesondere bei nicht-englischsprachigen Websites!

    Bing – allein schon die Rückwärtssuche für Bilder zu finden, ist eine Zumutung: Man muss zuerst auf “Bilder” klicken, dann irgendeine Suche starten, erst dann kommt das altbekannte Kamerasymbol im Suchfeld. Wem’s zu kompliziert ist – hier ist der direkte Link. Die Qualität der Treffer ist… naja. Aber immerhin bietet Bing eine Möglichkeit, die ich bei Google schon lange vermisse: Die Suche mit einem Bildausschnitt. Einfach klicken auf “innerhalb dieses Bilds suchen” bzw. “thematische Suche”, dann lässt sich ein Ausschnitt bestimmen. So kann man bestimmte Gebäude, Personen, Schilder etc. identifizieren, ohne dass man von Hand immer neue Ausschnitte eines Fotos für eine Rückwärtssuche abspeichern muss.

    Foto mit Ausschnitt einer Kirche als Grundlage für eine Suche mit Bing

    Ausschnittsuche mit Bing: Der Ausschnitt findet die berühmte Ramsauer Kirche im Berchtesgadener Land.

    Tineye ist eine der ältesten Rückwärtssuchmaschinen. Meist liefert sie weniger Treffer als Google und zeigt auch keine ähnlichen Bilder an, sondern sucht nur genau das gelieferte Bild; maximal werden andere Ausschnitte als Treffer angezeigt. Die Sortierung nach dem ältesten und neuesten Fund, Bildgröße und “best match” ist allerdings praktisch.

    Logodetection – ein hilfreiches Tool, das Logos in Videos oder Fotos erkennt und zuordnet. Der Detektor sucht nach Logos und gleicht Fundstücke mit einer umfangreichen Datenbank ab. Gibt es einen Treffer, zeigt er weiterführende Informationen über die Firma oder Organisation an und führt auch zur Wikipedia-Seite.

    Immer noch keine Ergebnisse?

    Versuchen Sie, das Foto horizontal zu spiegeln! Hierbei hilft die Seite flipapicture. Manche Faker versuchen nämlich, ein Foto so zu verändern, dass es sich nicht leicht mit einer Rückwärtssuche finden lässt, indem sie das Bild spiegeln, den Ausschnitt verändern oder Farben variieren.

    Was denn… Immer noch keine Ergebnisse?!

    Für die Verifikation von Fotos oder Videos hilft regelmäßig das Motto: Denken Sie wie der Faker, um Fakes zu enttarnen! Denn die meisten Fälscher nehmen das erstbeste Bild aus den Suchergebnissen von Google, das zu ihrer Fake-Geschichte passt. Daher hat sich als eine geeignete Strategie herausgestellt: Stellen Sie sich die Frage “Was hat der Faker gesucht?” Sucht man selbst wie ein Foto-Fälscher, findet man oft die Zutaten für das gefälschte Bild. Besonders clevere Fälscher suchen sich Fotos aus Quellen, die nicht oder nur teilweise von Suchmaschinen indexiert werden. Ein Beispiel hierfür: Das gefälschte DDR-Plakat – angeblich soll die CDU ihren Wahlkampfslogan “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” bei der SED geklaut haben.

    Wahlplakat der CDU mit Portrait von Angela Merkel und Wahlspruch "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben"

    gefälschtes SED-Plakat in schwarz-weiß mit Wahlslogan "Für ein Land in dem wir gut und gerne leben"

    erfolgreiche Verifikation: Screenshot von Flickr mit SED-Plakat von 1981 mit Slogan "Alles zum Wohle des Volkes"

    Verifikation mit der Methode “Denken Sie wie ein Faker” – eine Suche nach “DDR Propaganda” in der Fotocommunity Flickr fördert das Original-Foto des gefälschten Wahlplakats zu Tage, in Farbe und mit einem völlig anderen Slogan

     

    Übrigens: Grundsätzlich funktioniert eine Rückwärtssuche auch bei Videos, allerdings benötigen Sie dafür Screenshots. Der Youtube-Dataviewer von Amnesty International lässt eine solche Rückwärtssuche automatisiert für Youtube-Videos zu: Einfach eine Video-Adresse eingeben und die Vorschaubilder sind mit der Google-Bilderrückwärtssuche verknüpft.

    2. Verifikation via Metadaten

    Viele Bilder verraten mehr als wir auf den ersten Blick erkennen: Wer hat wann ein Foto wo gemacht, mit welcher Kamera, wurde das Bild nachträglich bearbeitet? Solche Informationen verraten die sogenannten Exif-Daten  („Exchangeable Image File Format“), die sich mit Tools wie „Jeffrey’s Exif Viewer“ anzeigen lassen. Aber Achtung: Nicht alle Fotos enthalten Exif-Daten, insbesondere Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter und auch viele Newsportale löschen solche Informationen standardmäßig bei der Veröffentlichung. Daher ist es hilfreich, das zu prüfende Bild möglichst nah an seinen Ursprung zurückzuverfolgen. Hier hilft die Zeiteinschränkung der Bilderrückwärtssuche von Google. Oft kommen so Versionen des Fotos zu Tage, die noch weitere Metadaten enthalten.

    3. Verifikation via Fotoforensik

    Ist das vorliegende Foto das Original? Haben Faker das Bild verändert, Einzelteile hinzugefügt oder wegretuschiert? Seiten wie fotoforensics oder forensically untersuchen Bildmaterial mittels „Error-Level-Analysis“ (ELA). Bildanteile, die möglicherweise manipuliert wurden, erscheinen heller oder dunkler. Bei forensically gibt es zusätzlich eine Reihe weiterer Analyse-Möglichkeiten, zum Beispiel “Clone-Detection”, mit der Sie geklonte Bereiche in einem Bild sichtbar machen können.

    4. Plausibilität prüfen

    Kann ein Foto oder ein Video zum angegebenen Zeitpunkt am angegebenen Ort gemacht worden sein? Hierzu gibt es einen eigenen Artikel: Geolocating Fotos und Videos.